Forschungswerkstatt

Die offene Forschungswerkstatt bietet qualitativ Forschenden die Gelegenheit, Datenanalysen in der Gruppe durchzuführen und eigenes Material einzubringen. Zu allen Phasen des qualitativen Forschungsprozesses können Anliegen diskutiert werden: zur Planung, Erhebung, Interpretation und Ergebnispräsentation.

Forschungswerkstätten sind in der qualitativen Sozialforschung eine grundlegende und etablierte Arbeitsform. Dabei arbeiten die Teilnehmenden gemeinsam an Analyseschritten, entwickeln Interpretationen des Datenmaterials und reflektieren den Forschungsprozess.

Wir erachten die Forschungswerkstatt als zentralen Ort für die Erkenntnisbildung, Reflexion und Selbstaufklärung, welche eine besondere Form des Arbeitsbündnisses voraussetzt. Im gemeinsam hergestellten Lehr- und Lernarrangement der Forschungswerkstatt orientieren wir uns am Prinzip der Reziprozität. Die Wechselseitigkeit beruht auf der regelmässigen Beteiligung an den Sitzungen und einem solidarischen, wertschätzenden Umgang miteinander. Das Einbringen von eigenem Datenmaterial setzt die Bereitschaft voraus, sich ebenso mit jenem anderer Teilnehmenden auseinanderzusetzen.

Eine heterogene Zusammensetzung der Arbeitsgruppe erachten wir als besonderen Gewinn. Denn die Beschäftigung mit verschiedenen Themen, Datenmaterialien und Forschungsphasen öffnet den Blick für die eigene Forschungsarbeit und generiert zusätzlich unterschiedliche Perspektiven. Dies trägt dazu bei, einen "fremden Blick" einzuüben. Zudem profitieren die Teilnehmenden von den unterschiedlichen Forschungserfahrungen der Beteiligten. Deshalb ist die Forschungswerkstatt transdisziplinär ausgerichtet und steht Forschenden mit verschiedenen methodischen Ansätzen der qualitativen Sozialforschung offen.

Literatur zu Forschungswerkstätten

Hoffmann, Britt und Pokladek, Gerlinde (2010): Das spezielle Arbeitsbündnis in qualitativen Forschungswerkstätten. Merkmale und Schwierigkeiten aus der Perspektive der TeilnehmerInnen. In: Zeitschrift für Qualitative Forschung 11, 2, S. 197-217. URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-355093

Inowlocki, Lena; Riemann, Gerhard und Schütze, Fritz (2010): Das forschende Lernen in der Biographieforschung – europäische Erfahrungen: Einführung in den Themenschwerpunkt. In: Zeitschrift für Qualitiative Forschung 11, 2, S. 183-195. URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-355610

Reim, Thomas und Riemann, Gerhard (1997): Die Forschungswerkstatt. Erfahrungen aus der Arbeit mit Studentinnen und Studenten der Sozialarbeit/Sozialpädagogik und der Supervision. In: Jakob, Gisela und Wensierski, Hans-Jürgen von (Hrsg.): Rekonstruktive Sozialpädagogik. Konzepte und Methoden sozialpädagogischen Verstehens in der Forschung und Praxis. Weinheim: Juventa, 223-238.

Schütze, Fritz (2005): Eine sehr persönlich generalisierte Sicht auf qualitative Sozialforschung. In: Zeitschrift für qualitative Bildungs-, Beratungs- und Sozialforschung 6, 2, S. 211-248.